Redaktionspraxis

Warum wir Zahlen aus Pressemitteilungen nicht ungeprüft übernehmen

Reichweiten, Wachstum und „Rekordquartale“ in Agenturmeldungen — und wie wir damit in Briefings umgehen.

Taschenrechner und Finanzunterlagen

In der Marketingbranche kursieren Zahlen so freizügig wie Moodboards. Eine Agentur meldet zweistelliges Wachstum, eine Plattform „Milliardenkontakte“, ein Verband „Rekordumsätze im Influencer-Segment“. Für ein Branchenbriefing sind solche Angaben Rohstoff — kein Faktum.

Unsere Regel: Jede Zahl braucht eine Quelle und einen Vergleichsrahmen. Fehlt beides, kennzeichnen wir die Angabe als Behauptung der Absenderin. Liegt eine belastbare Zweitquelle vor, nehmen wir die Zahl mit Einordnung auf.

Für Leserinnen in Unternehmensmarketing bedeutet das: Sie erhalten weniger spektakuläre Kurven, dafür weniger böse Überraschungen in der nächsten Budgetrunde.

← Zurück zum Journal